Am Freitag, 19. Januar 2018, waren die Damen der Kreisfrauen-Union (auch einige Männer schlossen sich an) auf ihrem ersten kulturellen Event in 2018 unterwegs. Besichtigt wurde ein Teil der PKW-Produktion bei der Firma Mercedes-Benz in Sindelfingen, um einmal einen Einblick in die Auto-Produktion zu erhalten.

Gruppenfoto Daimler

Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende, Elke Staubach, nahm uns unsere Vor-Ort-Betreuerin, Frau Schneider, in Empfang. Ein kurzer Film gab uns einen faszinierenden Einblick in die Produktpalette und den Standort Sindelfingen.

FU Daimler Elke

Mercedes-Benz in Sindelfingen ist das älteste PKW-Werk in Deutschland. Von 1915-1919 wurden Flugzeuge und Motoren gefertigt und es gab auch eine Start- und Landebahn auf dem Gelände.

Die Firma Mercedes -Benz beschäftigt heute in Sindelfingen 35.000 Mitarbeiter (der Frauen-Anteil liegt bei ca. 15 %) und das Areal der Firma breitet sich über 3 km² aus. Es werden jährlich 950 Lehrlinge ausgebildet, die  in der Regel alle übernommen werden.

Gefertigt werden in Sindelfingen die E-, C-, S-Klasse und der exklusive Maybach. In Deutschland gibt es drei Standorte der Fertigung und zwar in Bremen, Rastatt und Sindelfingen. Weltweit sind Werke: in USA, Tuscaloosa (ebenfalls S- und C-Klasse), in China, Beijing -dort werden nur PKWs für den asiatischen Raum gefertigt. In Indien werden die Autos nur montiert, die Teile kommen aus anderen Werken. In Pesce / Rumänien werden CA und CLA Klassen gefertigt und das Modell G kommt aus Graz in Österreich.

Interessant war auch die Bedeutung des Mercedes-Sterns. Die drei Arme im Stern bedeuten: zu Lande – zu Wasser – und in der Luft.

Aus Sindelfingen geht der Export in die ganze Welt, auch mittels Direktverladungen auf Züge direkt im Werk.

Es werden pro Arbeitstag  ca.1.600 Fahrzeuge produziert, wovon 300 PKWs täglich von den Käufern im Kunden-Center abgeholt werden. Es wird nicht „auf Halde“ produziert, sondern alle Fahrzeuge sind individuell bestellt.

Interessant war auch zu hören, dass Amerikaner, die einen PKW in Sindelfingen bestellen und diesen dann nach ca. 5 Monaten selbst abholen, als Bonbon eine einwöchige Rundreise durch Europa mit dem eigenen Fahrzeug, das dafür extra eine deutsche Zulassung erhält, spendiert bekommen.

Bei der Fahrt durch das Gelände erfuhren wir noch, dass Mercedes-Benz ca. 75 % seines Stromverbrauchs im eigenen Heizwerk selbst produziert. Auf den vielen Grünflächen im Werk seien  26 verschiedene Vogelarten angesiedelt sowie auch Fledermäuse.

Auf dem Gelände gibt es ein Design-Center mit 11.000 Mitarbeitern, die das Design für jedes neue Modell entwerfen, auch ein Bildungszentrum für die Weiterbildung der Mitarbeiter ist auf dem Firmengelände sowie eine neue Crash-Halle, in der jedes Jahr 1.000 Autos, LKWs und Busse mit Dummies gecrasht werden, um daraus wieder neue Erkenntnisse zu bekommen für eine noch bessere Prävention im Falle eines Unfalls.

Der Einblick in den Rohbau war gewaltig und imposant. 5.200 Roboter der Firma KUKA fertigen die Rohbauteile eines Fahrzeugs in drei Schritten: Vorbau, Seitenwände, Heck, Dach und Türen, Kotflügel und Motorhauben.

Es war sehr beeindruckend, wie die Roboter mit den Teilen arbeiten, stanzen, kleben und zusammenfügen. Die Logistik der Karossen nach Beendigung der programmierten Arbeiten war sehenswert. Man kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Z.B. sind im Auftragungsarm für Klebelinien jeweils 3 Kameras eingebaut, um eventuelle Fehler sofort zu beheben. Störung im Ablauf sind maximal 3 Minuten, da Spezialisten dies sofort beheben.

Gearbeitet wird 5 Tage, 3-schichtig. Am Wochenende wird die Anlage gereinigt und gewartet.

Die Fahrzeuge werden alle individuell nach Bestellung gefertigt. Diese Informationen für die Produktion werden online, über 2D-Codes, oder Transponder von der Anlagensteuerung abgerufen - es ist unglaublich.

Eine Karosse wiegt ungefähr 450 kg und die Lackierung nochmals 20 kg, es gibt ja mehrere Schichten der Lackierung, bis die Endlackierung aufgetragen wird.

Interessant war auch, dass alle Mitarbeiter einen Roller mit Aufsatz haben, um die langen Distanzen zu überwinden. Dieser Roller wurde von einem Mitarbeiter entwickelt.

Dann ging es per Bus weiter zur Endmontage, die Lackierung konnte nicht besichtigt werden, da die Lackierung unter Reinraumbedingungen stattfindet.

Auf der Fahrt dorthin zeigte uns Frau Schneider einen Panzerwagen. Er wiegt vier Tonnen und man benötigt einen LKW-Führerschein um ihn zu lenken. Wir kamen auch vorbei am Bahn-Verladebahnhof, wo die PKWs auf den Waggons auf zwei Ebenen verladen werden können und der Waggon ganz geschlossen werden kann.

Bei der Endmontage sahen wir nochmals, dass wirklich kein PKW identisch war, einer ging nach USA, einer nach Korea und in viele andere Länder. Faszinierend, dass so etwas logistisch möglich ist und für jeden PKW dann die richtige Ausstattung dasteht, es gibt allein Tausende Cockpit-Variationen.

Die Mitarbeiter arbeiten hier in einem 15-köpfigen Team im rotierenden System, das heißt, die Mitarbeiter wechseln nach zwei Stunden den Arbeitsplatz, damit die Arbeit nicht zu monoton wird.

Auch kommt z.B. mal ein Käufer mit einem Säckchen Goldstaub und will dies in die Lackierung einfließen lassen oder einer kommt mit Swarovski-Steinen, die in die Sitzflächen eingearbeitet werden sollen. Der Kunde ist König! Es gibt 9,9 x 10 hoch 20  S-Klasse Ausstattungsvarianten.

Dann gibt es noch Sonderanfertigungen für AMG Modelle, wo die Motoren von einem Mitarbeiter in einem Werk in Affalterbach handgefertigt werden und der Name des Monteurs auf dem Motor eingraviert wird.

In einem Showroom war ein Luxus-Maybach von Azubis so hergerichtet worden, dass immer eine Seite fertig montiert und eine Seite so präpariert war, dass man das Innenleben des PKW’s: die Elektronik, Kofferraum, Motorraum, Sitze, Beleuchtung und Weiteres sehen konnte, um den Kunden zu zeigen, was in einem PKW steckt. Die Sitze sind in der S-Klasse mit einer Massage-Funktion angefertigt - Luxus - und für „Normal“-Autofahrer sicher unbezahlbar und auch unvorstellbar.

Auf dem riesigen Betriebsgelände befinden sich 11 Restaurants, ein Krankenhaus, die Krankenkassen AOK / BKK haben Büros, eigene Feuerwehr mit 20 Fahrzeugen, ein Heizkraftwerk, ein Vital-Center und ein eigener Kindergarten, das „Sternchen“.

Unsere Begleiterin, Frau Schneider, war eine sehr sympathische und kompetente Mitarbeiterin, die auf jede Frage eine Antwort wusste und auch sichtlich stolz war, der Firma Mercedes-Benz anzugehören. Elke Staubach dankte ihr sehr herzlich.

Der Abschluss dieser gelungenen Veranstaltung mit knapp 40 Personen fand auf dem Flugfeld im Restaurant „Wichtel“ statt.

19.01.2018
Regina Stähle
FU - Pressereferentin

FU Daimler Center