An einem wunderschönen Frühlingstag fand im gemütlichen „Blumencafe zur alten Schule“ in Gärtringen das diesjährige Osterfrühstück der Kreis-FrauenUnion statt, schon obligatorisch am Samstag vor dem Palmsonntag. Da zu diesem Frühstück immer auch ein besonderer Programmpunkt dazu gehört, wurde ein Kurzfilm über das Leben in Gärtringen nach dem Krieg eingeplant.

Dieses ehemalige Schulhaus, teilweise auch mit Kindergarten, war nach dem Krieg Produktionsstätte für eine Schokoladenfabrik. Es stand dann lange leer, bevor das Gebäude von der Familie Rühle gekauft wurde und zum Schmuckstück „Blumencafe“ ausgebaut wurde.

Herr Torsten Widmann, Ortsvorsteher vom Gärtringer Teilort Rohrau und gleichzeitig Vorsitzender des Heimatvereins, erklärte uns in seinem Vortrag und Filmbeitrag von Helmut Schmidt wie die Gärtringer vor vielen Jahrzehnten gelebt haben.

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Er möchte mit seiner Arbeit und der Kommunikation von Zeitzeugen die Geschichte für die nachfolgenden Generationen bewahren und lebendig halten.

Gärtringen und Rohrau waren früher vom bäuerlichen Leben geprägt. Ab dem 18. Jahrhundert wurde in Rohrau zuerst Gips, später Sandstein abgebaut. Dieser wurde dann in den Gips- und Sandmühlen in Rohrau zum damals – als Putzmittel - begehrten „Silbersand“ vermahlen. Reich wurden die Rohrauer durch dieses Zubrot freilich nicht. Aus diesen Tagen rührt auch der Beiname „Saadmänner“ für die Rohrauer her. Die Sandmühle ist heute ein kleines Museum und kann an bestimmten Tagen besichtigt werden.

Die Gärtringer werden oft als „Keaspälter“ bezeichnet. Diese Bezeichnung geht auf den Belsehannes zurück. Dieser lebte im 18. Jahrhundert in Gärtringen und verkaufte Kienspäne („Kea“), die er  mit Stroh zu kleinen Büscheln band, als Anzündholz. Bei der Vorführung wurden Ausschnitte aus dem Film „Der Keaspälter“ von Helmut Schmidt gezeigt, der dem schlagfertigen Gärtringer Original, dem Belsehannes auf diese Weise ein Denkmal gesetzt hat. Dann wurde Gärtringen nach dem Krieg sogar ein wichtiger Wirtschaftsstandort, denn der Fabrikant Erich Kiefer verlagerte die Produktion von lufttechnischen Geräten für die Großindustrie nach Gärtringen, nachdem sein Betrieb in Stuttgart ausgebombt wurde. Aus dieser Zeit stammt noch die eindrucksvolle Villa Schwalbenhof, das Wohnhaus der Familie Kiefer, und der weitläufige, wunderschöne Park. Die Villa kann heute für Hochzeiten oder Familienfeiern gemietet werden, auch Kleinkunst wird dort zum Besten gegeben.

Zeitzeugen, die bei der Firma Kiefer eine Lehre begonnen haben oder als Hausdamen in der Familie Kiefer gearbeitet haben, erzählten einige Anekdoten. Die Hausdame erzählte, dass die Fabrikantengattin immer im Bett gefrühstückt hat und das Mittagessen von ihr der Familie Kiefer mit dem Satz  „es ist angerichtet“ serviert wurde.

Nach dem Tod von Erich Kiefer heiratete die Witwe Kiefer den Schriftsteller Friedrich Sieburg, welcher wohl schon zu Lebzeiten von Erich Kiefer das Gastrecht, Gerüchten zufolge,  allzu wörtlich nahm.

Gärtringen ist heute eine aufstrebende Gemeinde, das zeigen die großflächigen Ansiedlungen von Firmen. Es besitzt außerdem ein wunderschönes Freibad im Grünen, das von vielen Gästen auch von außerhalb Gärtringens sehr gerne genutzt wird.

Auch Hans-Karl Schurer, lange Jahre stellvertretender Bürgermeister, ein Urgestein und heute Ehrenvorsitzender der CDU Gärtringen, kam im Film zu Wort. Er hatte nach seinen Aussagen die ersten politischen Gespräche zur Eingemeindung Rohraus vor über 40 Jahren geführt. Dabei wurde damals auch zu später Stunde im Kuhstall heftig diskutiert. So kam er zur Politik, die ihn bis heute nicht loslässt.

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Die Vorsitzende der Kreis-FrauenUnion, Elke Staubach, und ihre Stellvertreterin und CDU-Vorsitzende von Gärtringen Elke Groß bedankten sich bei Torsten Widmann und Helmut Schmidt ganz herzlich für den kurzweiligen Vormittag mit einem kleinen Geschenkkorb.

Regina Stähle